So werden Migranten über das Mittelmeer geschmuggelt

Ein wenig Aufklärung über die Arbeit der Schlepper. Ende Juni ist es der europäischen Grenzschutzagentur Frontex gelungen, Schlepper bei der Arbeit zu filmen.
Ein kleines leeres Boot schwimmt auf dem Mittelmeer, sobald ein Rettungsschiff in Sicht ist, steigen circa 80 Menschen von einem größeren Boot hinein. Das große Boot haut dann ab.
So eine Überfahrt nach Europa kostet dem Flüchtling circa 3000 bis 4000€.

Ich bin für Seenotrettung, d.h. aus dem Wasser fischen und nach Hause bringen. Das, was hier geschieht, ist ein Mutwilliges in Gefahr bringen von Menschen in der guten Hoffnung auf unsere Hilfsbereitschaft.

Das ist ein moralisches Dilemma, dass durch die „Rettung“ nicht besser wird, denn es ist eben auch ein Geschäftsmodell!

Frontex  schreibt dazu im Beschreibungstext des Videos:

Last week, Frontex aircraft detected a suspicious fishing trawler towing a smaller boat. The boat was empty, but something caught the attention of the agency’s experts. Frontex kept observing the boat for several hours, and all of a sudden people started to emerge from below the deck. A people smuggler jumped on the smaller boat encouraging a group of migrants to follow him.

When all 81 migrants boarded the smaller boat, the mother ship was detached and started sailing south while the small boat started going towards the Italian island of Lampedusa. This was a clear example of a “mother boat” used by criminals to carry a large group of migrants across the sea towards their destination before unloading them onto a smaller boat.

Die „Faktenfinder“ von Correctiv haben dazu natürlich bereits ihre alternative Darstellung: Keine Belege, dass Seenot im Mittelmeer „künstlich erzeugt wird“. Die unglaubliche Rechercheleistung aus der Correctiv die Erkenntnis schöpft, es sei keine künstliche Seenot erzeugt worden, erschöpft sich in der Feststellung, dass Frontex diesen Begriff nicht verwendet hat. Tief, tiefer Correctiv.

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2 Antworten

  1. Tobi sagt:

    Gäbe es keine Menschen, die freiwillig ihr Leben auf dem Spiel setzen (und ja, das tun sie, wenn auch nicht in dem Video zu sehen. Die Zahl der Toten Menschen im Mittelmeer lassen jedes andere Urteil verstummen) , gäbe es auch die Schleuser nicht. Ganz klar, die Schleuser sind größtenteils kriminell, sie machen Geld mit der Not anderer. Aber was mit diesem Artikel hier suggeriert wird, ist eine verdrehte Tatsache: die Schleuser tragen Mitschuld an der Zahl der Geflüchteten oder noch schlimmer: die Flüchtlinge riskieren gar nicht ihr Leben, sondern lassen sich nach Lampedusa chauffieren. Dazu noch Kritik ans Correctiv und alle rechtspopulistischen Emotionen kochen hoch. Applaus.
    Stattdessen würde ich mal daran appellieren, Fluchtursachen zu bekämpfen und mit Fakten und nicht Emotionen zu berichten. Der folgende Artikel beschreibt nämlich wissenschaftlich, dass es keinen Zusammenhang zwischen Schleusern und der Anzahl Geflüchteter gibt:https://www.spiegel.de/politik/ausland/seenotrettung-warum-die-rettung-migration-nicht-foerdert-a-1277025.html
    Oder was genaue sollte mit diesem Artikel ausgesagt werden?

    • sebastian sagt:

      Um die Pull-Faktoren geht es mir nicht. Menschen die in Seenot sind soll man retten, ganz klar. Die Frage ist, was danach geschieht. Momentan erfüllen die NGOs eine Doppelrolle. Nach der Rettung erfolgt der Weitertransport. Ich will da noch nicht einmal auf die NGOs abzielen, es ist in meinen Augen eine politische Frage und die Politik ist gefordert, es besser zu machen.

      Was das Video bezwecken soll, ist ganz einfach. Es soll ein Bild zeigen, dass sonst nicht zu sehen ist. Es geht mir nicht um die Migranten, die sehen die Chance nach Europa zu kommen und ergreifen diese, da kann man niemanden einen Vorwurf machen. Persönlich kann man jeden Migranten, der die Überfahrt schafft erst einmal gratulieren. Zynisch ausgedrückt könnte man sagen, wer es hierher schafft, der hat die Lotterie gewonnen. Es sollte keine Lotterie sein, es sollte Regeln geben.

      Wir sind das Problem. Die Rettung ist moralisch vllt. einwandfrei, ethisch ist sie es nicht.

      1. Es wird eine Vorselektion geschaffen, eine Art Lotterie. Wer noch genug Geld hat und genug Glück zu überleben, der schafft es nach Europa. Das impliziert, dass wer kein Geld mehr hat, der hat keine Chance.
      2. Da es nur die noch minimal Vermögenden nach Europa schaffen, geht mit denen auch der letzte Rest an Kapital. Kapital, welches die Herkunftsländer dringend brauchen.
      3. Wir versenken Unmengen Geld an Sprachkursen um Förderung, die Chinesen zeigen – natürlich nur aus wirtschaftlichen Interessen – das Kooperation mit Herkunftsländern möglich ist. Hilfe vor Ort wäre um ein Vielfaches wirksamer. Lässt gleichzeitig Divisen in die Länder fließen, nicht heraus.

      Die Rettung ist okay, aber im Sinne der Maximierung des Wohls für möglichst viele, sollte es keinen Automatismus für die Fahrt nach Europa geben. Das Video zeigt halt, dass die Reise nach Europa keine kopflose Panik ist, wo ein Paar Menschen irre auf ein Boot springen.
      Das Bild, dass transportiert wird, ist auch rassistisch. Die Menschen, die diese Reise antreten, sind erwachsene mündige Menschen. Die werden sich keiner hirnlosen Kamikaze Aktion hingeben. Die Intelligenz kalkuliert zu handeln kann man erwachsenen Menschen durchaus zugestehen.

      Die Kritik an Correctiv rührt daher, dass Correctiv gerne Meldungen kommentiert von denen die Leute bei Correctiv zu befürchten scheinen sie könnten den Falschen helfen. Meiner bescheidenen Meinung nach gibt es keine schlechten Informationen, nur schlechte Zustände. Jede Information kann dazu beitragen, Fehlentwicklungen zu korrigieren.

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