Über den Hass

Erinnert ihr euch noch an die Sprüche älterer Menschen, Dinge wie: „Damals als der Führer noch lebte, da gab es noch Recht, Ordnung und Anstand.“? So manche Person des öffentlichen Lebens wirft dieser Tage mit dem Vorwurf des Hasses um sich. Gemeint ist häufig kein Hass, sondern nur dasselbe, was die alten Diktatur Nostalgiker meinen. Ein öffentlicher Raum, wo jeder weiß, was er zu denken und zu sagen hat.

Sehnsucht nach Konformität

Ich habe nie Sehnsucht empfunden nach Zeiten, als der öffentliche Raum gleichgeschaltet war. Jeder gleich dachte, jeder gleich gekleidet war. In einer freiheitlichen Demokratie sollte es einfach kein Idealbild des rechten Lebens geben. Ästhetik, insbesondere Politische, ist etwas für totalitäre Systeme. Demokratien leben von der Vielfalt an Weltbildern und Meinungen, ja dass können auch konträre sein. Es ist okay, wenn jemand die eigene Sicht der Dinge ablehnt, jeder darf sich die Freiheit nehmen, die Meinung des Anderen rundheraus abzulehnen.

Jemanden zu sagen, dass seine Meinung scheiße ist, ist kein Hass. Ein konservatives Weltbild zu haben, ist ebenfalls kein Hass. Überhaupt ist es schwer zu erklären, warum Einstellungen von vor 20 Jahren plötzlich Hass sind. Waren unserer Eltern in ihrer Jugend alle voller Hass? Leider wird das nicht mehr von jeden so gesehen. Vielfalt, heißt heute ein linksliberales Weltbild zu haben und zwar gefälligst dasselbe wie jeder andere auch.

Herbert Grönemeyer brachte diese Perversion von Pluralität wunderbar auf den Punkt:

…an uns liegt, zu diktieren, wie diese Gesellschaft auszusehen hat.
– Herbert Grönemeyer

Dieser Satz war auf alle Menschen gemünzt, die sein Idealbild einer Gesellschaft nicht teilen. Das ist von bemerkenswerter Totalität. Vielfalt und Meinungsfreiheit werden so vollkommen ad absurdum geführt. Menschen wie Grönemeyer wollen keine freiheitliche Gesellschaft. Eine freie Gesellschaft ist ergebnisoffen, sie kann sich auch zu einer Gesellschaft wie in den 50ern entwickeln. Exakt das ist es, was Grönemeyer und mit ihm so viele andere nicht wollen und stattdessen mit Drohungen und offen freiheitsfeindlichen Mitteln zurückschlagen. Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen, daran sollten die Eliten in Medien und Politik immer wieder erinnert werden.

Meinungshygiene

Seit diesem Jahr gibt es die Plattform https://hassmelden.de/ ins Leben gerufen für „Mehr Vernunft“ im Internet. Ich würde es ja entspannt sehen, wenn der Hassbegriff nicht so extrem ausgeweitet worden wäre. Heute kann schon Diskussion Hass sein, wie der Fall Demagbo zeigt, ein Schwarzafrikaner, der 2015 eine Diskussion über Flüchtlinge führen wollte. Die Veranstaltung musste abgesagt werden, weil Demagbo AFD Mitglied ist. Begründung, alleine die Diskussion sei schüren von Hass und dem dürfe keine Plattform gegeben werden. So geraten Plattformen, gegen Hass und Hetze, in den Verdacht Vehikel der Meinungshygiene zu sein.

Frank A. Meyer hat mit Alexander Kissler eine sehr schöne Kolumne zu diesem Thema im Cicero veröffentlicht. Dem Tenor kann ich mich nur anschließen. Die These ist, die Ausweitung des Hass Begriffes dient der Diskurskontrolle. Über gewisse Themen soll nicht diskutiert werden. Den Islam zum Beispiel zu kritisieren wird schnell als Islamophob gebrandmarkt. Islamophobie wiederum ist schnell Hass. Das Gegenüber ist damit sofort delegitimiert, ein Diskurs findet nicht statt.

Ursache für Hass ist häufig, dass man sich schlicht angegriffen fühlt oder sich bereits als Verlierer fühlt. In einer wirklich demokratischen Gesellschaft kann die Antwort auf diese Emotionen nicht Verachtung sein.

Gewinner und Verlierer

Jedes System hat Gewinner und Verlierer. Die Stärke der freiheitlichen Demokratie ist es oder sollte es sein, einen Ausgleich zu schaffen. Auch das angeblich so pluralistische westdeutsche System mit seinen Quoten und Gesetzen bis ins private hinein hat Verlierer. Fluide Geschlechterverhältnisse, freier grenzenloser Meinungsaustausch und Multi-Kulti-Innenstädte. All, das hat für die alleinerziehende Mutter keinen Wert an sich. Das Gleiche gilt für den Handwerker, der alleiniger Familienernährer ist.

Diese Menschen merken aber das etwas ins Rutschen gerät, was ihnen bisher Stabilität und Halt gab. Ihre Kultur, ihre Herkunft und die daraus hergeleiteten Werte, die bisher Orientierung in einer chaotischen Welt gaben. So wie für den freischaffenden Künstler kulturelle Vielfalt ein Wert an sich ist, so ist für den Maurer aus der Provinz Stabilität ein Wert an sich. Darüber mag der Progressive noch so sehr die Nase rümpfen, letzten Endes kann auch das Linksliberale Milieu keine besseren Argumente für seinen Standpunkt ins Feld führen, als der konservative Provinzler es kann. Vielleicht sogar noch weniger, denn der konservative kann sich darauf berufen, dass seine Werte seit Generationen funktionieren. Ein Nachweis, den die nihilistische alles infrage stellende Moderne erst noch erbringen muss. Was Umbrüche angeht, lässt das 20. Jahrhundert hier im Übrigen nichts Gutes vermuten.

Umwälzung kann kein Dauerzustand sein

Die schöpferische Zerstörung der Progressiven scheint sich gerade selbst zu erledigen und die Anzeichen für eine Destabilisierung unseres Systems auf breiter Front mehren sich. Die Dinge geraten ins Wanken. Sollte es jemals zu tief greifenden politischen oder wirtschaftlichen Verwerfungen kommen, dann wird sich noch zeigen ob so mancher Bewohner hipper Innenstadt Bezirke Stabilität und Verlässlichkeit als Wert nicht doch noch zu schätzen lernt. Möglicherweise ist es dann aber nur noch eine Sehnsucht und zu spät. Mag sein, dass der einfache Bürger die Zukunft allzu häufig verschläft, doch Eliten sind es die Gesellschaften in den Abgrund führen.  Alles in allen ist die Bilanz gesellschaftlicher Experimente erschreckend katastrophal.

Damit es nicht dazu kommt, sollte Kritik am eigenen Wertesystem vielleicht ernst genommen werden und nicht als bloße Hassäußerung abgetan werden. Selbst wenn es Hass ist, die Emotionen kochen hoch, das Phänomen hat vielleicht eine Ursache.

Bildquelle: Pixabay

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