Waren die Medien schon immer so?

Die Frage ist eher rhetorischer Natur, denn, nein die Medien waren nicht schon immer so. Natürlich waren die Medien niemals wirklich frei, früher haben wir das vermutlich einfach nicht so stark mitbekommen. Es gab keine Gegenöffentlichkeit, kein Internet wie heute. Dieses Interview mit Udo Ulfkotte ist da eindrucksvoll.

Trotzdem, wer alte Spiegel Ausgaben und sogar Zeit Ausgaben ließt, kommt nicht umhin festzustellen, dass in den letzten Jahren ein extremer Qualitätsverlust stattgefunden. Dieser Verlust kann nicht einfach durch Budgetkürzungen erklärt werden. Wäre es so, dann müssten wir die öffentlich rechtlichen von der Kritik ausnehmen. Doch gerade die öffentlich rechtlichen sind die schlimmsten regierungstreuen Propagandaanstalten, welche es gibt. Siehe hier, hier, hier, hier und natürlich in so ziemlich jeden Bericht, der von genannten Anstalten veröffentlicht wird. Mit mangelndem Geld lässt es sich nicht erklären.

Trotzdem, wir befinden uns beileibe nicht zum 1. Mal in einer Zeit, in der Medien vorrangig Sprachrohre der Mächtigen sind.

War es schon einmal so?

Vor kurzen wurde ich auf ein Zitat von John Swinton aufmerksam gemacht. Swinton war ein Publizist, Zeitungsverleger und Journalist. Von 1860 bis zu seinem Lebensende 1901 war er als Journalist tätig. Überliefert ist von ihm folgendes Zitat aus einer Rede am 12. April 1883 vor dem Twilight Club:

So etwas wie eine unabhängige Presse gibt es in Amerika nicht, außer in abgelegenen Kleinstädten auf dem Land. Ihr seid alle Sklaven. Ihr wisst es und ich weiß es. Nicht ein einziger von euch wagt es, eine ehrliche Meinung auszudrücken. Wenn ihr sie zum Ausdruck brächtet, würdet ihr schon im Voraus wissen, dass sie niemals im Druck erscheinen würde. Ich bekomme 150 Dollar dafür bezahlt, dass ich ehrliche Meinungen aus der Zeitung heraushalte, mit der ich verbunden bin. Andere von euch bekommen ähnliche Gehälter um ähnliche Dinge zu tun. Wenn ich erlauben würde, dass in einer Ausgabe meiner Zeitung ehrliche Meinungen abgedruckt würden, wäre ich vor Ablauf von 24 Stunden wie Othello: Meine Anstellung wäre weg. Derjenige, der so verrückt wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, wäre auf der Straße um einen neuen Job zu suchen. Das Geschäft des Journalisten in New York ist es, die Wahrheit zu verdrehen, unverblümt zu lügen, sie zu pervertieren, zu schmähen, zu Füßen des Mammon zu katzbuckeln und das eigene Land und Volk für sein tägliches Brot zu verkaufen, oder, was dasselbe ist, für sein Gehalt. Ihr wisst es und ich weiß es; Was für ein Unsinn, einen Toast auf die ‚Unabhängigkeit der Presse‘ auszubringen! Wir sind Werkzeuge und Dienstleute reicher Männer hinter der Bühne. Wir sind Hampelmänner. Sie ziehen die Fäden und wir tanzen. Unsere Zeit, unsere Fähigkeiten, unser Leben, unsere Möglichkeiten sind alle das Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.
– John Swinton im Twilight Club am 12. April 1883

Warum war es damals so kaputt, warum geht es wieder kaputt

Wer sich mit der Geschichte der USA um diese Zeit herum beschäftigt, kommt nicht umhin festzustellen, dass sich Herrn Swintons Beschreibung ins Gesamtbild einfügt. Was für die USA gilt, muss natürlich nicht für uns gelten. In den USA war das Großkapital schon früh ein Problem. Oligarchen, wie die Rockefellers, haben sich die Demokratie einfach gekauft. Um das möglich zu machen, musste die freie Presse natürlich ausgeschaltet werden.

In Deutschland muss eigentlich nicht tiefer gegraben werden. Die Freiheit der Presse war abhängig von der Liberalität der Mächtigen. Einige, wie Friedrich der Große, ließen eine relative Lockerung der Zensur zu, andere waren akribisch drum bemüht, jede Nachricht zu kontrollieren.

Später dann, nach dem Krieg, musste die Freiheit der Presse neu gedacht werden. Im Chaos nach 1945 waren bedingt durch die Erfahrungen im eigenen Land und andernorts die Gefahren weithin bekannt. Sie lauteten Großkapital und Parteienstaat. Die Antwort waren Spendengesetze und öffentlich rechtlicher Rundfunk. Genau in dieser Antwort lauerte auch schon früh die Gefahr für die Pressefreiheit. Nach anfänglichem Versuch der amerikanischen Besatzungsmacht die Parteien aus den Gremien des öffentlichen Rundfunks herauszuhalten schlichen diese sich in das System immer tiefer ein.

Schlimmer noch, nicht nur die Parteien gruben sich hinein, auch NGOS. Heute, um allen die Krone aufzusetzen, haben sich die Parteien durch das komplette System der BRD gefressen. Es gilt somit mehr als jemals zuvor:

Eher bewacht ein Hund einen Wurstvorrat, als eine politische Partei die Pressefreiheit
Michael H. Spreng; deutscher Journalist und Politikberater; *1948

Hoffnung gibt es wenig, selbst in Momenten, wo die Journalisten die Chance hätten, etwas zu unternehmen unterwerfen sie sich bereitwillig den Mechanismen der mächtigen. Das Privileg in der Bundespressekonferenz zu sitzen und somit der eigenen Eitelkeit zu dienen ist einfach zu verlockend.

So haben die Medien sich bereitwillig zum Büttel der Politik gemacht.

Die Folgen

Hier möchte ich nicht viele Worte verlieren. Wir spüren die Resultate, spätestens seit 2015 und eigentlich schon viel länger, wie einen Dammbruch. Nur noch ein letztes Zitat, um das Ende der Reise zu illustrieren:

Eine zynische, käufliche, demagogische Presse wird mit der Zeit ein Volk erzeugen, das genauso niederträchtig ist, wie sie selbst.
Joseph Pulitzer, 1904: The Review of Reviews, Band 29, Seite 580

Wer die Meldefreude auf Twitter, die bereitwilligen Sperren auf Facebook oder einfach nur die Aggressivität im Bekanntenkreis erlebt hat, der weiß, wovon Herr Pulitzer sprach.

 

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2 Antworten

  1. agrippa42 sagt:

    Danke, dass trifft auch mein Empfinden!

  1. 09.02.2020

    […] Waren die Medien schon immer so? […]

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